10 Fragen, 10 Antworten

Im Gespräch mit Franz Schlick,
Geschäftsführer, Eckart & Partner

Kommen wir doch gleich auf den Punkt: Gibt es das Erfolgsrezept für lokale Stadtwerke?

Leider nein. So unterschiedlich wie die lokalen Rahmenbedingungen sind, so unterschiedlich sind auch die Führungspersönlichkeiten in den Unternehmen. Und so unterschiedlich verläuft die Suche nach Antworten. Einig sind sich alle nur in einer Sache: Einfacher wird es nicht.

Wo sollten die Entscheider denn dann mit der Suche starten?

Bei den Erwartungen der Kunden. Wie die sich ändern, das ist entscheidend. Es gibt viele Trends, aber ich empfehle  „outside-in“ zu starten. Also bei den Chancen und Risiken des Marktes.

Nicht bei den eigenen Stärken und Kompetenzen?

Erst im zweiten Schritt. Der perfekte Fit aus Chancen und Stärken. Daraus entsteht eine starke Zukunftspositionierung.

Aber das, was sich alles verändert, ist doch hinreichend bekannt, oder nicht?

Klar, schließlich arbeiten in den Unternehmen kluge Köpfe. Aber zwei Probleme begegnen uns immer wieder. Erstens fehlt oft die Zeit für eine intensive gemeinsame Auseinandersetzung mit den Marktthemen. Und zweitens lösen nüchterne Marktanalysen in den Unternehmen meist nichts aus. Nach der Analyse passiert nichts! Hier haben wir zum Beispiel gute Erfahrungen mit unseren Strategie-Heatmaps gemacht. Denn ein Bild sagt eben tatsächlich mehr als 1000 Worte. Einfach, nachvollziehbar und erlebbar.

Also auch hier die bekannte „Knowing-Doing-Gap“ von Pfeffer und Sutton aus den 90igern?

Genau. Einmal dieser Gap  und dann das große Problem für die Führungskräfte mit dem Management der Transformation.

Das wäre?

Noch geht es. Noch reichen die Einnahmen. Noch reicht der Servicelevel im Wettbewerb. Und das volle Potenzial der Transformation wird erst mit Zeitverzug nach der Veränderung aller Bereiche sichtbar und spürbar. Das heißt, jetzt Probleme lösen, die erst in Zukunft richtig wehtun.

Apropos Zukunft. Müssen alle Stadtwerke rund um fridays for future und im Zuge der Diskussion um Klimaschutz grün und nachhaltig werden?

Wenn sie es noch nicht sind, ja.

team-meeting

So einfach?

Ja, denn es geht am Ende um den Zweck des Unternehmens. Im Marketing- und Beratersprech „Purpose“.

Haben Stadtwerke einen?

Schon immer. Er wurde nur verdrängt durch das lukrative Commoditygeschäft. Sinn und Zweck von Stadtwerken war es nie, den Bürgern für Strom und Gas möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern für eine hohe Lebensqualität am Standort zu sorgen.

Ist dann jetzt die perfekte Zeit für Energieversorger ihre Marke neu aufzuladen?

Wenn nicht heute, dann morgen. Je früher desto besser. Der Energiespeicher der Stadtwerke für ihre Marke ist der Standort. Und die Diskussion um Smart City ist ein perfekter Kontext. Aber nur, wenn wir es nicht technisch angehen. Auch hier gilt es, aus Nähe Nutzen zu machen. Und das passiert in erster Linie im direkten Kundenkontakt. Im Gespräch mit den Menschen vor Ort.

Märkte sind also Gespräche?

Und damit Begegnungen. EVUs könnten darüber nachdenken, Möglichkeiten für Begegnungen zu schaffen. Reale oder auch virtuelle Orte, an denen das Stadtwerk und seine Positionierung erlebt werden kann; vielleicht kann man auch die vormaligen Beratungszentren als solche Orte inszenieren. Die hätten dann allerdings eher Marken- und Vertriebs- als Serviceaufgaben.