10 Fragen, 10 Antworten

Im Gespräch mit Stefan Eckart,
Geschäftsführender Gesellschafter, Eckart & Partner

Warum lieben die Menschen die Energiewende nicht?

Fakt ist: Die Konsequenzen der Energiewende stiften lokal für den einzelnen Bürger keinen erlebbaren Nutzen, sondern gefühlt nur Ärger – steigende Preise, Unsicherheit, neue hässliche Anlagen vor der Haustür und vieles mehr.

Also besser die Klappe halten und hoffen, dass es vorbeigeht?

Nein, die Energiewende ist da und bleibt. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Und hier kommen die loklen Energieversorger zum Zug. Sie können jetzt Systeme für Lebensqualität schaffen, statt nur Gas und Strom zu liefern.

Klingt in der Theorie gut. Und in der Praxis?

Es ist eine große Aufgabe, weil das Thema Energie immer größer wird und eine Querschnittsbranche entsteht. Ganz am Anfang braucht es daher eine Neuorientierung. Von der Branche zum Standort, vom Versorger zum  Netzwerker, vom Sender zum  Meinungsmanager, vom Hüter der Technik zum „Enabler“, also zum Unterstützer der Kunden in vielen Lebenslagen.

Das klingt nach einer langfristig ausgelegten Strategie, was könnte denn ein erster Schritt sein?

Machen Sie ein Projekt-Audit. Listen Sie alle Projekte auf, die aktuell im Unternehmen laufen. Dann prüfen Sie, ob diese alle auf Ihre gewünschte Zukunftsperspektive und Positionierung einzahlen. Wählen Sie die wichtigsten drei aus und zeigen Sie Ihren Kunden und Mitarbeitern anhand von diesen Ihre Vision für den Standort. Einfach, nachvollziehbar und erlebbar.

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OK, dafür muss ich natürlich wissen, wie ich sein möchte.

Sie sollten ein ehrliches Gespür dafür kriegen, was sich in Ihrem Umfeld verändert und entwickelt. Dann müssen Sie entscheiden, wohin Sie unter diesen Bedingungen mit Ihrem Unternehmen wollen und ganz nüchtern  untersuchen, wo Sie auf diesem Weg derzeit stehen. Das Delta zu überwinden zwischen Ziel und Status quo ist dann die entscheidende strategische Herausforderung. Dann kommt es darauf an, die Entscheider und die Menschen in Ihrem Unternehmen hinter Ihre Ideen zu bringen. Ohne eine stabile strategische Grundlage für Unternehmen und Marke geht es in der Energiewende nicht mehr, dafür sind die Unberechenbarkeit und das Risiko in den Märkten zu groß.

Viele Versorger schreiben sich hier das Thema Lebensqualität auf die Fahnen. Kann ein Versorger wirklich die Lebensqualität der Menschen steigern?

Nicht mehr mit Strom und Gas. Nicht, wenn es nur um die Belieferung von Abnehmern geht. Die Versorger fangen aber an, ihr Geschäftsfeld größer zu sehen bzw. sie besinnen sich auf ihre Wurzeln. Denn als die meisten Versorger vor etwa 100 Jahren gegründet wurden, boten diese einen ganz erheblichen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität in den Städten.

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Was ist denn dann das „Neue“, das die Lebensqualität steigert?

Das eine Neue wird es nicht sein. Denn je nach Stadt und Region sind die Hebel zur Steigerung der Lebensqualität sehr unterschiedlich. Für alle gilt, dass es nur im lokalen Netzwerk, also interaktiv und themenoffen funktionieren wird. Nur darüber können neue lokale Produkt- und Servicebündel angeboten werden, die auch Akzeptanz finden. Und ob der Versorger die Leistung direkt anbietet oder nur die Plattform bereitstellt, darüber kann man sich auch noch unterhalten.

Also könnten die Versorger künftig zum Beispiel eine Mobilitäts-Flatrate anbieten? Aber diese neuen Geschäftsfelder werden so schnell nicht den nötigen Umsatz und Gewinn abwerfen, den die Unternehmen im Stammgeschäft verlieren.

Kann sein. Und?

Verstehe, also ganz im Sinne von Angela Merkel „Alternativlos“?

Ja. Beides tun. Das bisherige Geschäft besser als der Wettbewerb weiterführen und aus dem kleiner werdenden Kuchen ein größeres Kuchenstück herausschneiden = „Exploitation“. Damit und daneben das neue Geschäft aufbauen – mit Kooperationen, Start-ups und Partnern = „Exploration“.

Haben denn da die kleinen lokalen Einheiten wirklich eine Chance? Oder machen das Geschäft die Großen?

Wenn es die vermeintlich Kleinen nicht versuchen, werden es die Großen oder andere Kleine aus anderen Branchen machen. Aber der Kunde wird davon nicht profitieren. Ich bin überzeugt, dass es für die Menschen vor Ort positiver sein wird, wenn diese Angebote von Local Heroes für sie organisiert werden.

Herr Eckart, vielen Dank für das Gespräch.